2.10.2014 | 12:24


 


HERBST-SCHMETTERLINGE

Sie zögern
Ob sie den Abschied ahnen
Die Trennung fällt ihnen schwer – von Stamm und Ast zu fallen
Sie schweben – schaukeln in der Leere – dem langsamen Scheiden entgegen
Ratlos gefangen im Herbstwinde – sind die alt gewordenen Blätter

Entschlossen mit allem Mut
Eine Zeremonie mit Würde zu gestalten
Ohne Trauer – ohne Wehmut -
Gekleidet in ihre bunte Tracht ... Steigen sie auf des Himmels Bühne
Farben und Formen
In wandelnder Pracht

Sie wirbeln nun – um sich herum – wie Derwische
Tanzen in Scharen – gleiten hinab ...
Bis sie sanft auf die Erde fallen
Dorthin – woher sie kamen
Und wärmen den Samen der Sprösslinge
Unter dem Schleier des Winters
Für die nächsten Herbstschmetterlinge

Nezihe Werz-Seyhfevzi

aus »AUSGEWÄHLTE WERKE XVI«

 

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